Rudolf Stratz' Roman "Die armen Reichen" entfaltet ein Gesellschaftsbild, in dem materieller Besitz nicht als Erfüllung, sondern als Quelle innerer Verarmung erscheint. Im Mittelpunkt steht die Welt des gehobenen Bürgertums und der vermögenden Kreise, deren glänzende Fassaden von Abhängigkeiten, enttäuschten Hoffnungen und moralischen Konflikten unterlaufen werden. Stratz verbindet dabei den unterhaltenden Gesellschaftsroman der Jahrhundertwende mit psychologischer Beobachtung und einem ausgeprägten Sinn für dramatische Zuspitzung. Der Autor Rudolf Stratz (1864-1936) gehörte zu den vielgelesenen deutschsprachigen Erzählern seiner Zeit. Seine Herkunft aus einem gebildeten bürgerlichen Milieu, seine Nähe zu zeitgenössischen Debatten über Stand, Ehe, Geld und gesellschaftliche Anerkennung sowie seine Erfahrung als erfolgreicher Bühnen- und Romanautor prägten seinen Blick auf soziale Rollen. "Die armen Reichen" lässt sich als Ausdruck dieses Interesses an den Widersprüchen einer Epoche lesen, in der wirtschaftlicher Aufstieg nicht notwendig seelische Sicherheit bedeutete. Zu empfehlen ist das Buch Leserinnen und Lesern, die den populären deutschen Gesellschaftsroman um 1900 nicht nur als Unterhaltung, sondern als kulturgeschichtliches Dokument verstehen möchten. Stratz bietet keine abstrakte Sozialtheorie, sondern eine anschauliche, erzählerisch wirksame Studie über Reichtum, Einsamkeit und die Zerbrechlichkeit bürgerlicher Lebensentwürfe.
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