Die Acht Homilien gegen die Juden dokumentieren eine Predigtreihe des späten vierten Jahrhunderts in Antiochia, in der Johannes christliche Gemeindeglieder von der Teilnahme an jüdischen Festen, Synagogengottesdiensten und Schwurpraktiken abhalten will. Rhetorisch verbinden die Texte biblische Exegese, polemische Invektive und pastorale Disziplinierung; literarisch stehen sie im Kontext spätantiker Konkurrenz zwischen sich profilierenden religiösen Gemeinschaften und gehören zugleich zu den wirkungsmächtigsten Zeugnissen christlichen Antijudaismus. Johannes von Antiochia, der spätere berühmte Prediger der griechischen Kirche, wirkte in einer Stadt, deren religiöse Landschaft von Nähe, Austausch und Rivalität geprägt war. Seine asketische Ausbildung, seine Tätigkeit als Presbyter und sein Ideal einer klar abgegrenzten christlichen Lebensform erklären die Dringlichkeit dieser Homilien, ohne ihre verletzende und folgenreiche Polemik zu entschuldigen. Diese Ausgabe empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die spätantike Predigtkultur, die Entstehung christlicher Identität und die historischen Wurzeln antijüdischer Diskurse verstehen wollen. Sie sollte mit kritischer Aufmerksamkeit gelesen werden: nicht als zeitlose Lehre, sondern als schwieriges, aufschlussreiches Dokument religiöser Machtrede.
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