Leopold Schefers "Achtzehn Töchter" entfaltet aus einer scheinbar häuslichen Konstellation ein vielstimmiges Panorama bürgerlicher Lebensformen, weiblicher Erziehung und sozialer Erwartung. Mit feiner Ironie, moralischer Beobachtungsgabe und einem für die Biedermeierzeit charakteristischen Sinn für Alltag, Gefühl und Ordnung verbindet Schefer erzählerische Anschaulichkeit mit reflektierender Gesellschaftskritik. Der Titel verweist nicht nur auf Fülle und Familienkomik, sondern auch auf die Frage, wie Individualität unter normierenden Vorstellungen von Ehe, Tugend und Versorgung bestehen kann. Leopold Schefer (1784-1862), in Muskau geboren, war Schriftsteller, Komponist und Weltreisender; seine Erfahrungen in Europa und im Orient erweiterten seinen Blick für kulturelle Verschiedenheit und menschliche Sitten. Als Autor zwischen Aufklärung, Romantik und Vormärz interessierten ihn weniger spektakuläre Ereignisse als die ethischen Kräfte des täglichen Lebens. Gerade diese Verbindung aus weltläufiger Erfahrung und pädagogisch-humanistischem Denken dürfte die Gestaltung eines Werkes begünstigt haben, das Familienleben als Spiegel gesellschaftlicher Strukturen lesbar macht. Empfohlen sei "Achtzehn Töchter" allen Leserinnen und Lesern, die literarische Sozialbeobachtung, historische Geschlechterbilder und kunstvoll erzählte Alltagswelten schätzen. Das Buch bietet zugleich Unterhaltung und Erkenntnis: Es macht eine vergangene Epoche lebendig, ohne ihre Fragen nach Freiheit, Verantwortung und menschlicher Würde veralten zu lassen.
AmazonPagina's: 84, Paperback, Sharp Ink
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