Auf dem Weg zu Swann, der Auftakt von Marcel Prousts monumentalem Romanzyklus Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, entfaltet weniger eine Handlung im konventionellen Sinn als eine Archäologie des Bewusstseins. Von den Kindheitserinnerungen in Combray über die berühmte Madeleine-Episode bis zur tragikomischen Liebesgeschichte Swanns und Odette de Crécys untersucht der Roman Erinnerung, Begehren, Eifersucht und gesellschaftliche Zeichen. Prousts Stil verbindet mikroskopische Beobachtung, lange rhythmische Satzperioden und essayistische Reflexion zu einer neuen Form moderner Prosa. Marcel Proust, 1871 in Paris geboren, wuchs im Milieu des gebildeten Bürgertums und der mondänen Salons auf, deren Codes er zugleich kannte und kritisch durchschaute. Seine jüdisch-katholische Familiengeschichte, seine fragile Gesundheit, seine Homosexualität und sein zurückgezogenes spätes Leben schärften seinen Blick für Außenseitertum, Maskierung und soziale Inszenierung. Aus persönlicher Erfahrung formte er keine bloße Autobiographie, sondern eine umfassende Theorie der Zeitwahrnehmung. Dieses Buch empfiehlt sich allen Leserinnen und Lesern, die Literatur nicht nur als Erzählung, sondern als Erkenntnisform begreifen. Wer Geduld für Nuancen mitbringt, wird mit einer der tiefsten Darstellungen menschlicher Erinnerung und Selbstdeutung belohnt.
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