George Orwells Auftauchen, um Luft zu holen (1939) erzählt von George Bowling, einem übergewichtigen Versicherungsvertreter, der kurz vor dem Zweiten Weltkrieg in seine Heimatstadt Lower Binfield zurückkehrt. Was als nostalgische Flucht in die Kindheit beginnt, wird zur bitteren Erkenntnis, dass Landschaft, Erinnerung und soziale Bindungen von Kommerz, Vorstadtwachstum und Kriegsangst zerstört wurden. In einem klaren, ironischen und zugleich elegischen Realismus verbindet Orwell Alltagsbeobachtung, Satire und politische Vorahnung; der Roman steht damit im Zentrum der englischen Zwischenkriegsliteratur. Orwells eigene Erfahrungen erklären die Schärfe dieses Blicks. Als ehemaliger Kolonialbeamter, Sozialkritiker, Armutsreporter und Teilnehmer am Spanischen Bürgerkrieg kannte er Herrschaft, Klassenungleichheit und ideologische Verführung aus unmittelbarer Nähe. Sein Misstrauen gegenüber moderner Massenkultur, bürokratischer Sprache und militarisierter Politik prägt Bowlings Stimme, ohne sie zu einem bloßen Sprachrohr zu machen. Gerade die gewöhnliche, fehlerhafte Perspektive des Protagonisten verleiht dem Buch historische Glaubwürdigkeit. Empfohlen sei dieser Roman allen, die Orwell jenseits von Farm der Tiere und 1984 entdecken möchten. Auftauchen, um Luft zu holen ist ein präzises, melancholisches und erstaunlich aktuelles Buch über Erinnerung, Verlust und die Angst vor einer Zukunft, die längst begonnen hat.
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