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Bei der Erkundung des komplexen Werkes von C. G. Jung wird der moderne Leser anhand einer Landkarte der menschlichen Psyche durch das Labyrinth der Tiefenpsychologie geführt. Das Buch ist eine spannende und verständliche Einführung in die wesentlichen theoretischen Konzepte C. G. Jungs wie: persönliches / kollektives Unbewufttes, Komplexe, Persona, Schatten, Animus, Anima, Selbst und Individuation. Der Autor ist ein sehr profunder Kenner von Jungs Werk und versucht zu zeigen, daf es zwar Lücken und Inkonsequenzen auf Jungs Karte gibt, dem komplexen Muster seines Werkes jedoch eine fundamentale Einheitlichkeit zugrunde liegt. Die Ausführungen sind ebenso anschaulich wie differenziert und besonders auf den interessierten Laien wie auf den bereits vorgebildeten Leser zugeschnitten. Dr. Murray Stein ist Lehranalytiker und Dozent am C. G. Jung-Institut in Chicago. Er studierte an der Yale University, dem GC. G. Jung-Institut in Zürich und der University of Chicago. Murray Stein gilt als Kapazität auf dem Gebiet der Tiefenpsychologie und hat zahlreiche Bücher zu diesem Thema veröffentlicht. Er ist Vizepräsident der Internationalen Gesellschaft fúr Analytische Psychologie. Einer, der viele Wege gegangen ist im Erkunden der Seele, psychische, intellektuelle und auch konkrete Wege, ist Murray Stein, ein Jungianer, der in Chicago lebt und lehrt, und der am C. G. Jung Institut in Zürich zum Psychotherapeuten ausgebildet wurde. Er ist Verfasser von mehreren Büchern, und nun zeigt er mit diesem Buch, das ursprünglich in englisch erschienen ist, die Grundzüge der Psychologie von C. G. Jung auf. C. G. Jung hat mit einer ungewöhnlichen Neugierde auf die Psyche, mit einem nicht erlahmenden Interesse an psychischen Phänomenen, ein ungewöhnlich vielseitiges, reiches und tiefsinniges Werk geschaffen. Die Jungsche Psychologie ist von einem Menschenbild geprägt, das den Menschen in einem umfassenden Sinnzusammenhang sieht, in schöpferischer Wandlung, zudem einem Selbstverständnis verpflichtet, für das alles Geschehen noch eine Dimension über das Offensichtliche hinaus hat: Sinnenhaft erlebbare Wirklichkeit ist bei ihm auch immer verbunden mit einer geistigen Wirklichkeit. All das, und noch wesentlich mehr, sind Themen, die Jung studiert, erforscht, und über die er auch publiziert hat. Da sind einmal die Grundlagen für eine Therapieform bereitgestellt worden, bei der die Idee der schöpferischen Entwicklung einen zentralen Stellenwert einnimmt. Jung beschreibt aber nicht nur den Menschen aus vielen verschiedenen Perspektiven, sondern auch seine Stellung im Kosmos. Dabei ist für Jung nie nur die intellektuelle Erfassung eines Themas wichtig, sondern auch dessen emotionale Durchdringung. Eine Gesamtdarstellung der Jungschen Psychologie ist sehr sinnvoll: Vielen Menschen fállt es leichter, sich in die zugrunde liegenden Originaltexte einzuarbeiten, wenn sie zunächst einen Überblick über ein Denkgebäude erhalten haben und dann ihren speziel len Interessen folgen können. Einen Überblick über die Jungsche Psychologie zu geben, ohne diese zu verflachen, ist aber auch sehr schwierig. Das ist wohl der Grund, daf$ schon seit längerer Zeit niemand mehr einen solchen zu geben versuchte. Was soll man beschreiben, was soll man auslassen? Und: Was ist mit den vielen Entwicklungen, die sich seit Jungs Tod in der analytischen Psychologie ergeben haben? Welche soll man aufnehmen, welche nicht? Eine solche Übersicht muf? notgedrungen persönlich bleiben aus der jeweils eigenen Perspektive werden Schwerpunkte innerhalb des darzustellenden Denkgebäudes festgelegt. Murray Stein ist in seiner Übersicht den Schwerpunkten in Jungs Denken gefolgt, anhand von Jungschen Texten, die er ausgesucht hat. Das ist seine persönliche Wahl, seine persönliche Perspektive, aus der heraus er die Jungsche Psychologie präsentiert. Nun ist es aber keineswegs so, daf wir es mit einer eigenwilligen Darstellung der Jungschen Psychologie zu tun hätten: die gewählten Schwerpunkte würden wahrscheinlich von den meisten Kolleginnen und Kollegen ähnlich gesetzt werden. Die Verbindung der jeweiligen persönlichen Situation, in der Jung sich befunden hat, als er eine Theorie entwickelt hat, mit der Theorie, macht das Lesen interessant und zeigt auch, daf jede psychologische Theorie persongebunden ist. Entwicklungen, die sich in der Analytischen Psychologie zeigen, sind andeutungsweise aufgenommen worden, wobei der in Amerika lebende Stein vor allem die Entwicklungen im englischsprachigen Raum aufgenommen hat. Es ist Murry Stein gelungen, auch kormplizierte theoretische Zusammenhänge so darzustellen, daf? sie verständlich sind und dennoch auch fundiert bleiben. Das ist ein grofses Verdienst, und ich hoffe, daf3 dieses Buch viele Menschen anregt, sich mit der Jungschen Psychologie einmal in einem umfassenden Sinn auseinanderzusetzen. Aller Augen waren auf das grohe Abenteuer der Eroberung des Alls gerichtet. Zum ersten Mal ín der Geschichte der Menschheit war die Möglichkeit in greifbare Nähe gerückt, die terra firma zu verlassen und zu den Sternen zu reisen. Damals war mir noch nicht klar, daf unser Jahrhundert nicht weniger entscheidend von Reisen nach innen geprägt wurde, den groen Expeditionen in die Innenwelt, unternommen von Pionieren wie C. G. Jung in den Jahrzehnten vor Sputnik und Apollo. Was John Glenn und Neil Armstrong als Entdecker des Weltraums für uns waren, das ist Jung im Blick auf den inneren Raum: ein kühner, unerschrokkener Entdeckungsreisender ins Unbekannte. Jung starb friedlich in seinem Haus bei Zürich. Sein Zimmer blickte nach Westen auf den ruhig daliegenden See. Im Süden zeichneten sich die Alpen ab. Noch am Tag vor seinem Tod bat er seinen Sohn, ihm ans Fenster zu helfen, um einen letzten Blick auf seine geliebten Berge werfen zu können. Sein Leben war der Aufgabe gewidmet, den inneren Raum zu erforschen und das, was er dort fand, in seinen Schriften niederzulegen. Zufälligerweise fügte es sich, daf ich im selben Jahr, in dem Neil Armstrong seinen Fuf$ auf den Mond setzte, nach Zürich reiste, um am Jung-Institut zu studieren. Das vorliegende Buch ist das Destillat von nahezu 30 Jahren Beschäftigung mit der von C. G. Jung ausgemessenen Landkarte der Seele. Dabei ist es mein Anliegen, Jungs Gedanken und Erkenntnisse so wiederzugeben, wie er sie in seinen Veröffentlichungen darstellte. Die erste Berührung mit Jung kann durchaus einem Sprung in jenes »Meer der Geheimnissee gleichen, von dem Fuentes in seinem Bericht über die frühen Seefahrer, die von Spanien aus über den Atlantik segelten, zu erzählen weifs, bricht man doch nicht ohne eine gewisse Aufregung, ja Furcht, zu solch fernen Gestaden auf. Ich erinnere mich noch gut an meine eigenen ersten Gehversuche. Damals wurde ich von den Ausblicken, die sich mir auftaten, von einer solchen Welle der Erregung fortgetragen, daf ich besorgt den Rat verschiedener Professoren suchte. Ich fragte mich, ob diese Sache »sicher« sei. Jung war dermafen faszinierend, daf3 er fast zu gut schien, um wahr zu sein. Würde ich dabei am Ende völlig verwirrt auf der Strecke bleiben, verhängnisvoll in die Irre geführt werden? Zu meinem Glück gaben mir alle meine Mentoren grünes Licht, und ich bin seither mit grofBem innerem Gewinn unterwegs und habe iimmer wieder neue Schätze gehoben. Jungs eigene erste Entdeckungsfahrt barg demgegenüúber wesentlich gröfgere Schrecken. Er hatte im wahrsten Sinne des Wortes keine Vorstellung, ob er einen Schatz finden oder über die äugGerste Kante der Welt in den Weltraum stürzen würde. Das Unbewufgte war wirklich noch ein mare ignotum, als er sich ihm zum ersten Mal überlief3, aber er war jung, couragiert und entschlossen, Neuland zu betreten. Und so machte er sich auf den Weg. Jung bezeichnete sich oft selbst als einen Pionier und Erforscher des unkartographierten Geheimnisses der menschlichen Seele. Er scheint abenteuerlustigen Geistes gewesen zu sein. Die menschliche Psyche war für ihn ein noch nahezu unberührtes Areal was in vielerlei Hinsicht noch heute gilt. Sie war ein Geheimnis, das die Abenteuerlustigen mit der Aussicht reicher Entdeckungen lockte und die Ängstlichen mit der Prohung des Wahnsinns schreckte. Für Jung war das Studium der Seele zugleich eine Sache von weitreichender historischer Bedeutung, denn die ganze Welt hängt, wie er es einmal formulierte, an einem Faden, und zwar am Faden der menschlichen Psyche. Es ist daher geradezu lebenswichtig, mehr über sie zu wissen. Die grofte Frage lautet natürlich: Kann man die menschliche Seele jemals kennen, können ihre Tiefen ausgelotet, kann ihre Weite abgeschritten werden? Vielleicht war es ein Rest jener Selbstüberschätzung der Wissenschaft des 19. Jahrhun. derts, der die ersten Pioniere der Tiefenpsychologie wie Jung, Freud und Adler dazu veranlafte, sich überhaupt an diese Auf. gabe zu wagen und zu glauben, daf} sie die letztlich unerforsch. liche, sich allen Beschreibungen entziehende menschliche Psyche definieren könnten. Doch nachdem sie erst einmal auf dieses mare ignotum hinausgesegelt waren, gelang dies ihnen tatsächlich, und Jung wurde zu einem Christoph Columbus der inneren Welt. Das 20. Jahrhundert war ein Zeitalter wissenschaftlicher Entdeckungen und technologischer Wunder aller erdenklichen Art. Zugleich war es ein Zeitalter der Introspektion, jenes Vorstofges in die menschliche Subjektivität, der das zum Ergebnis hatte, was wir heute als Tiefenpsychologie kennen. Jung in seiner selbstgewählten Rolle als Entdecker und Kartograph steht im Mittelpunkt des vorliegenden Buches und bestimmt damit leitmotivisch die Einführung in seine Theorie von der menschlichen Psyche. Die Psyche ist der weifte Fleck auf der Landkarte. Seine Theorie ist die Landkarte, die er schuf, um sein Verständnis von der Psyche zu vermitteln. Es ist also letztlich Jungs Landkarte von der menschlichen Seele, die ich abzuschreiten versuche, indem ich Sie, die Leser, in und durch das weite Feld seiner Schriften geleite.
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