Jakob Wassermanns "Christoph Columbus - Der Don Quichote des Ozeans" ist keine bloße Entdeckerbiographie, sondern eine psychologisch geschärfte Deutung des Mannes, der zwischen mittelalterlicher Heilsgewissheit und neuzeitlichem Eroberungsdrang stand. Der Titel rückt Columbus in die Nähe Cervantes' Ritters: als Visionär, Getriebener und Irrender, dessen Größe untrennbar mit Selbsttäuschung verbunden ist. Wassermanns Prosa verbindet historische Erzählung, essayistische Reflexion und moralische Charakterstudie; sie gehört in den Kontext jener biographischen Literatur der Moderne, die Geschichte als Drama einzelner Gewissen lesbar macht. Jakob Wassermann, 1873 in Fürth geboren und 1934 gestorben, war ein deutsch-jüdischer Erzähler von ausgeprägtem Interesse an Außenseitern, Verkannten und an der Kollision zwischen Individuum und Macht. Seine Erfahrungen sozialer und kultureller Fremdheit, ebenso sein lebenslanges Nachdenken über Schuld, Gerechtigkeit und Berufung, erklären die Faszination für Columbus: einen Mann, der Anerkennung sucht, Institutionen herausfordert und doch selbst zum Werkzeug größerer Gewalt wird. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die historische Gestalten nicht als Denkmäler, sondern als widersprüchliche Menschen verstehen wollen. Wassermanns Columbus-Porträt bietet eine dichte, kluge und sprachlich elegante Einführung in die Tragik des Entdeckens.
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