In der zweiten Hälfte des Jahres 1914, als Europa im Feuer des ersten totalen Krieges seiner Geschichte stand, schrieb Franz Kafka in Prag seinen zweiten Roman, "Der Prozess": ein Werk, das er Anfang 1915 in einem Moment tiefer Entmutigung aufgab. Doch als es 1925, ein Jahr nach seinem Tod, in Berlin veröffentlicht wurde, machte es ihn zu einem der bekanntesten und einflussreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Wie wir jedoch wissen, wollte Kafka nicht, dass sein Werk über einige zu Lebzeiten veröffentlichte Texte hinaus weiterbesteht: Erzählungen, Berichte oder auch Kapitel und kurze Auszüge aus seinen Romanen. Letztere, einschließlich "Der Prozess", sollten verbrannt werden, schrieb er seinem Freund Max Brod, als er auf dem Sterbebett lag. Wäre diesem Wunsch also Folge geleistet worden, hätten wir von "Der Prozess" nur zwei Seiten, nämlich jene über die Legende, die der Seelsorger Josef K. im vorletzten Kapitel erzählt. Er hat sie nämlich aus seinem Manuskript herausgelöst, um sie zunächst in Prag und dann 1915 in Leipzig separat zu veröffentlichen.
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