In "Das Flaschenteufelchen" verbindet Robert Louis Stevenson die Form des moralischen Märchens mit der Spannung der spätviktorianischen Schauergeschichte. Der Hawaiianer Keawe erwirbt eine magische Flasche, deren Dämon jeden Wunsch erfüllt, deren letzter Besitzer jedoch der Verdammnis verfällt, sofern er sie nicht billiger weiterverkauft, als er sie kaufte. Aus dieser einfachen, ökonomisch präzisen Versuchsanordnung entwickelt Stevenson eine Parabel über Begehren, Schuld, Liebe und die gefährliche Logik des Tausches. Der klare, mündlich wirkende Stil, die exotische pazifische Szenerie und die strenge Erzählökonomie verleihen der Novelle zugleich Volksmärchencharakter und moderne psychologische Schärfe. Stevenson, 1850 in Edinburgh geboren, war ein Autor zwischen Kulturen, Genres und Lebensformen: Essayist, Reiseschriftsteller, Verfasser von Abenteuerromanen und subtiler Diagnostiker moralischer Doppelbödigkeit. Seine späteren Jahre im Südpazifik prägten seine Wahrnehmung kolonialer Begegnungen und insularer Gesellschaften. Gerade diese biographische Erfahrung, verbunden mit seinem dauernden Interesse an Versuchung und Gewissen, dürfte die Gestaltung dieser Erzählung entscheidend bestimmt haben. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die kurze Prosa von hoher symbolischer Dichte schätzen. Es bietet Unterhaltung, philosophische Provokation und eine überraschend zeitlose Reflexion über Preis, Wunsch und Verantwortung.
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