Daniel Defoes Das Leben, die Abenteuer und die Piratenzüge des berühmten Kapitän Singleton, 1720 erschienen, verbindet Seeroman, Abenteuerbericht und moralische Fallstudie. In fingierter Autobiographie erzählt Bob Singleton von Entführung, afrikanischer Durchquerung, Handelsfahrten und Piraterie. Defoes nüchterner, protokollarischer Stil verleiht selbst unwahrscheinlichen Episoden dokumentarische Plausibilität und stellt den Roman in den Kontext der frühen englischen Prosafiktion, kolonialer Expansion und merkantiler Weltdeutung. Defoe, Kaufmann, Dissenter, Journalist und politischer Pamphletist, kannte die Sprache des Handels, der Risiken und der moralischen Rechtfertigungen ökonomischen Handelns aus eigener Erfahrung. Nach Robinson Crusoe vertiefte er hier sein Interesse an Überleben, Profit, Gewissen und sozialer Mobilität. Die Figur des Quäkers William Walters spiegelt dabei Defoes religiös-ethische Sensibilität und setzt Singletons räuberischem Unternehmergeist eine prüfende Stimme entgegen. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die den Piratenroman nicht bloß als exotische Unterhaltung, sondern als Analyse frühmoderner Globalisierung lesen möchten. Defoes Werk zeigt, wie Abenteuerlust, Gewalt, Kapital und Bekehrungserzählung ineinandergreifen. Es ist ein bedeutender, oft unterschätzter Text für alle, die die Entstehung des modernen Romans verstehen wollen.
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