Das Leben und die Abenteuer des Weihnachtsmannes entwirft eine gelehrte Ursprungslegende jener Figur, die in der modernen Festkultur scheinbar selbstverständlich geworden ist. Baum verbindet Märchenchronik, Mythopoetik und kinderliterarische Abenteuererzählung: Im Wald von Burzee wird Claus von unsterblichen Wesen aufgenommen, lernt menschliches Leid kennen und verwandelt Mitleid in die Kunst des Schenkens. Der klare, rhythmische Stil, die episodische Komposition und der Kampf gegen die Awgwas stellen das Werk in den Kontext der amerikanischen Kunstmärchen um 1900, nahe, doch eigenständig neben Oz. L. Frank Baum, 1856 geboren und 1919 gestorben, war Journalist, Theatermann, Geschäftsmann und einer der prägenden Erneuerer der amerikanischen Kinderliteratur. Seine Erfahrungen mit Bühne, Werbung und populärer Erzählkunst schärften sein Gespür für anschauliche Szenen, einprägsame Figuren und moralische Phantasie ohne schwerfällige Belehrung. Wie in Der Zauberer von Oz suchte Baum ein modernes Märchen, das europäische Schreckensmotive mildert und zugleich ethische Fragen nach Güte, Arbeit und Gemeinschaft ernst nimmt. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die den Weihnachtsmann nicht bloß als Brauch, sondern als literarische Erfindung verstehen möchten. Es bietet Kindern Spannung und Staunen, Erwachsenen kulturgeschichtlichen Reiz und allen eine warmherzige Meditation über Großzügigkeit, Sterblichkeit und die Macht erzählter Ursprünge.
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