Der alte Hauptmann entfaltet das Porträt eines gealterten Offiziers, dessen militärische Vergangenheit, Ehrbegriff und stille Verletzlichkeit in den Alltag einer veränderten Gesellschaft hineinragen. Sophus Bauditz verbindet eine präzise realistische Milieuschilderung mit jener leisen Ironie, die die skandinavische Erzählliteratur des späten 19. Jahrhunderts auszeichnet. Das Buch steht damit im Kontext eines bürgerlichen Realismus, der nicht das Spektakuläre sucht, sondern Charakter, Erinnerung und soziale Haltung im scheinbar Nebensächlichen sichtbar macht. Sophus Bauditz (1850-1915) gehörte zu den dänischen Erzählern, die aus genauer Beobachtung des Beamten-, Bildungs- und Provinzlebens literarische Formen gewannen. Seine Erfahrungen in einer von Pflichtgefühl, Rangordnung und nationalem Selbstverständnis geprägten Kultur mögen die Figur des alten Hauptmanns entscheidend geprägt haben. Bauditz' Blick ist weder bloß nostalgisch noch satirisch; er versteht die Würde einer vergangenen Ordnung ebenso wie ihre Begrenzungen. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die psychologisch feine, historisch aufschlussreiche Prosa schätzen. Der alte Hauptmann bietet kein lautes Drama, sondern eine konzentrierte Studie über Alter, Ehre und den Wandel sozialer Werte.
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