Johann Nestroys Zauberposse Der böse Geist Lumpazivagabundus, 1833 uraufgeführt, verbindet volkstümliches Theater, satirische Gesellschaftsdiagnose und virtuose Sprachkomik. Im Mittelpunkt stehen drei Handwerksgesellen, die durch Gewinn, Liebe und Versuchung auf die Probe gestellt werden, während die Feenwelt und der böse Geist Lumpazivagabundus das menschliche Treiben spiegeln. Hinter Liedern, Pointen und Verwandlungseffekten entfaltet sich eine scharfsichtige Reflexion über Armut, Glück, Arbeitsethos und moralische Beständigkeit im Wiener Vormärz. Nestroy, selbst Schauspieler, Sänger und Theaterpraktiker, schrieb aus genauer Kenntnis der Bühne und ihres Publikums. Seine Erfahrungen mit populären Formen des Alt-Wiener Volkstheaters, verbunden mit einem skeptischen Blick auf bürgerliche Heilsversprechen, prägen das Stück. Als Autor in einer Zeit politischer Zensur nutzte er Witz, Parodie und scheinbar harmlose Zauberapparate, um soziale Gegensätze, Illusionen und menschliche Schwächen kenntlich zu machen. Dieses Werk empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die komische Literatur nicht als bloße Unterhaltung, sondern als präzises Instrument historischer Erkenntnis verstehen. Lumpazivagabundus zeigt Nestroys Kunst auf höchstem Niveau: geistreich, musikalisch, theatralisch wirksam und bis heute erstaunlich modern in seiner Frage, ob Glück den Menschen verbessert oder nur enthüllt.
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