der Himmel ist für Gott, Staat uns

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Bol Partner Die Vorstellung, der Islam greife nach der Weltherrschaft und bedrohe unserewestlich-säkulare Zivilisation, ist ein in den Medien häufig wiederkehrendesMotiv. Schlagzeilen wie "ISLAM, Fundamentalisten - GEFAHR für uns alle?"(Gala) oder "Islamisten auf dem Weg nach Europa - Zittern vor Allahs Kriegern"(Focus) sind keine Seltenheit. Genährt werden diese Ängste nicht nur durchden verbalen Radikalismus islamischer Fundamentalisten, sondern durch zahlreicheTerrorakte: angefangen von der 444-tägigen Besetzung der US-Botschaft imIran 1980 über den grausamen Terrorkrieg der Islamisten gegen die Zivilbevölkerungin Algerien, der seit 1992 an die 60.000 Tote gefordert hat, bis zum Doppelanschlagauf die US-Botschaften in Kenia und Tansania im August 1998, bei dem 257Menschen ihr Leben verloren; verantwortlich dafür soll ein gewisser UssamaBin Laden sein. Albrecht Metzger hält es trotz allem für falsch, den islamischenFundamentalismus auf seine terroristischen Komponenten zu reduzieren. DerIslamismus ist keineswegs eine einheitliche Bewegung, die sich über Ländergrenzenhinweg gleichmäßig entfaltet. Er ist eine moderne, zugleich konservativepolitische Bewegung, die auf Fortschritt setzt. Fortschritt steht für Stärke,und Stärke bedeutet Unabhängigkeit von dem Willen fremder Mächte. "DerIslam steht im Dienste der Menschen", so der jordanische Muslimbruder BassamAmmoush. "Er sagt nicht: 'Wartet auf den Himmel und vergesst das Lebenhier.' Der Himmel ist für Gott, dieser Staat ist für uns, und wenn wirihn nicht mögen, dann müssen wir ihn verändern." Abdallah Akwa, Mitgliedder Jeminitischen Partei für Reform: "Eines unseres Ziele ist es, die Gesellschaftauf ein modernes Niveau zu heben. Wir glauben aber nicht, dass ein Lebenim High-Tech-Zeitalter notwendigerweise auch Nachtclubs und sexuelle Freiheitenmit sich bringen muss. Wir glauben, dass fehlendes Vertrauen in die Familieeiner Gesellschaft schadet. Ich habe sogar Freunde in Deutschland, diesagen, es gibt bei uns zu viele Freiheiten. Ich möchte eine saubere Gesellschafthaben." Unabhängigkeit, vor allem von westlicher Dominanz, soziale Gerechtigkeit,Gleichheit, Einheit, eine Gesellschaft ohne Laster und Korruption - dassind stichwortartig die Ziele, die die Islamisten verfolgen, und zwar inLändern, in denen durchweg ein eklatantes Demokratiedefizit herrscht. DieIslamisten stellen dort die wichtigste Oppositionsbewegung dar. Die fünfLänderstudien Metzgers zeigen, dass sich die Islamisten durchaus am politischMachbaren orientieren. Dieser Pragmatismus kommt auch in ihrem Verhältniszu außerislamischen Gesellschaften zum Tragen. Denn anders, als man erwartensollte, sind viele von ihnen an einem Dialog mit dem Westen interessiert.An einen Krieg der Zivilisationen zwischen dem Islam und dem Westen glaubennur wenige. Trotz aller Attacken gegen westliche Arroganz und Dekadenzhalten die meisten Islamisten die europäischen und amerikanischen Demokratienfür durchaus gerechte Systeme. Was die Islamisten dem Westen jedoch vorwerfen,ist, er praktiziere Demokratie und beachte Menschenrechte nur in seinemeigenen Territorium. Wenn es aber um fremde Länder und Zivilisationen ginge,setze er andere Standards an.

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Die Vorstellung, der Islam greife nach der Weltherrschaft und bedrohe unserewestlich-säkulare Zivilisation, ist ein in den Medien häufig wiederkehrendesMotiv. Schlagzeilen wie "ISLAM, Fundamentalisten - GEFAHR für uns alle?"(Gala) oder "Islamisten auf dem Weg nach Europa - Zittern vor Allahs Kriegern"(Focus) sind keine Seltenheit. Genährt werden diese Ängste nicht nur durchden verbalen Radikalismus islamischer Fundamentalisten, sondern durch zahlreicheTerrorakte: angefangen von der 444-tägigen Besetzung der US-Botschaft imIran 1980 über den grausamen Terrorkrieg der Islamisten gegen die Zivilbevölkerungin Algerien, der seit 1992 an die 60.000 Tote gefordert hat, bis zum Doppelanschlagauf die US-Botschaften in Kenia und Tansania im August 1998, bei dem 257Menschen ihr Leben verloren; verantwortlich dafür soll ein gewisser UssamaBin Laden sein. Albrecht Metzger hält es trotz allem für falsch, den islamischenFundamentalismus auf seine terroristischen Komponenten zu reduzieren. DerIslamismus ist keineswegs eine einheitliche Bewegung, die sich über Ländergrenzenhinweg gleichmäßig entfaltet. Er ist eine moderne, zugleich konservativepolitische Bewegung, die auf Fortschritt setzt. Fortschritt steht für Stärke,und Stärke bedeutet Unabhängigkeit von dem Willen fremder Mächte. "DerIslam steht im Dienste der Menschen", so der jordanische Muslimbruder BassamAmmoush. "Er sagt nicht: 'Wartet auf den Himmel und vergesst das Lebenhier.' Der Himmel ist für Gott, dieser Staat ist für uns, und wenn wirihn nicht mögen, dann müssen wir ihn verändern." Abdallah Akwa, Mitgliedder Jeminitischen Partei für Reform: "Eines unseres Ziele ist es, die Gesellschaftauf ein modernes Niveau zu heben. Wir glauben aber nicht, dass ein Lebenim High-Tech-Zeitalter notwendigerweise auch Nachtclubs und sexuelle Freiheitenmit sich bringen muss. Wir glauben, dass fehlendes Vertrauen in die Familieeiner Gesellschaft schadet. Ich habe sogar Freunde in Deutschland, diesagen, es gibt bei uns zu viele Freiheiten. Ich möchte eine saubere Gesellschafthaben." Unabhängigkeit, vor allem von westlicher Dominanz, soziale Gerechtigkeit,Gleichheit, Einheit, eine Gesellschaft ohne Laster und Korruption - dassind stichwortartig die Ziele, die die Islamisten verfolgen, und zwar inLändern, in denen durchweg ein eklatantes Demokratiedefizit herrscht. DieIslamisten stellen dort die wichtigste Oppositionsbewegung dar. Die fünfLänderstudien Metzgers zeigen, dass sich die Islamisten durchaus am politischMachbaren orientieren. Dieser Pragmatismus kommt auch in ihrem Verhältniszu außerislamischen Gesellschaften zum Tragen. Denn anders, als man erwartensollte, sind viele von ihnen an einem Dialog mit dem Westen interessiert.An einen Krieg der Zivilisationen zwischen dem Islam und dem Westen glaubennur wenige. Trotz aller Attacken gegen westliche Arroganz und Dekadenzhalten die meisten Islamisten die europäischen und amerikanischen Demokratienfür durchaus gerechte Systeme. Was die Islamisten dem Westen jedoch vorwerfen,ist, er praktiziere Demokratie und beachte Menschenrechte nur in seinemeigenen Territorium. Wenn es aber um fremde Länder und Zivilisationen ginge,setze er andere Standards an.


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  • 9783889775696
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