Der Kriegsfreiwillige entfaltet, schon durch seinen programmatischen Titel, ein zeittypisches Spannungsfeld von patriotischer Selbstverpflichtung, jugendlicher Bewährung und moralischer Prüfung im Zeichen des Krieges. Die Erzählung ist weniger als bloße Abenteuerprosa denn als literarisch verdichtete Auseinandersetzung mit Pflicht, Opferbereitschaft und innerer Reifung zu lesen. Ihr Stil dürfte die Anschaulichkeit populärer Kriegsliteratur mit empfindsamer Charakterzeichnung verbinden und steht damit im Kontext jener Texte, die individuelle Schicksale in nationale Krisenerfahrungen einbetten. Hedwig von Mühlenfels erscheint hier als Autorin, die die gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit genau beobachtet: Familienbindung, Standesbewusstsein, religiös-moralische Erziehung und das Ideal des dienenden jungen Mannes bilden den geistigen Hintergrund des Buches. Dass eine Autorin diesen Stoff gestaltet, verleiht der Perspektive besonderes Gewicht, da Kriegsbegeisterung und Verlust nicht nur heroisch, sondern auch häuslich und emotional vermittelt werden. Empfohlen sei das Buch Leserinnen und Lesern, die historische Jugend- und Kriegsliteratur nicht nur nach Handlung, sondern nach ihren Wertvorstellungen befragen möchten. Der Kriegsfreiwillige bietet Einblick in eine Epoche, in der Literatur Erziehung, Trost und Sinnstiftung zugleich leisten sollte, und bleibt gerade deshalb ein aufschlussreiches Dokument kultureller Mentalitätsgeschichte.
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