Der Tartuffe oder Der Betrüger entfaltet als fünfaktige Verskomödie eine präzise Analyse religiöser Heuchelei und bürgerlicher Verblendung. Im Zentrum steht der scheinfromme Tartuffe, der sich in Orgons Haus einnistet und Frömmigkeit zur sozialen Waffe macht. Molières Stil verbindet klassische Formstrenge, pointierten Dialog und szenische Ökonomie mit einer satirischen Schärfe, die das Stück fest im Kontext der französischen Klassik verankert. Jean Baptiste Molière, Schauspieler, Theaterleiter und Dramatiker am Hof Ludwigs XIV., schrieb aus unmittelbarer Kenntnis gesellschaftlicher Rollen, höfischer Abhängigkeiten und religiöser Machtansprüche. Die heftigen Zensurkonflikte um Tartuffe zeigen, wie genau Molière die empfindliche Grenze zwischen Komödie und öffentlicher Kritik traf. Seine Erfahrung auf der Bühne erklärt die außergewöhnliche Wirksamkeit der Figuren und Situationen. Dieses Werk empfiehlt sich allen Lesern, die Komödie nicht als bloße Unterhaltung, sondern als Instrument moralischer und sozialer Erkenntnis verstehen. Tartuffe bleibt erstaunlich gegenwärtig, weil er Mechanismen der Manipulation, der Selbsttäuschung und des blinden Vertrauens sichtbar macht. Wer die europäische Dramenkunst begreifen will, kommt an diesem Stück nicht vorbei.
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