Konrad Fiedler: Der Ursprung der künstlerischen Tätigkeit. Theorie des schöpferischen Sehens Erstdruck: Leipzig, Verlag von S. Hirzel, 1887. Neuausgabe. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2026. Der Text dieser Ausgabe wurde behutsam an die neue deutsche Rechtschreibung angepasst. Umschlaggestaltung von Thomas Schultz-Overhage. Gesetzt aus der Minion Pro, 11 pt. Henricus - Edition Deutsche Klassik GmbH Was geschieht, wenn ein Künstler schafft? Konrad Fiedler sucht die Antwort nicht in der Wirkung des Kunstwerks auf Gefühl, Geschmack oder Bildung, sondern im Ursprung der künstlerischen Tätigkeit selbst. Für ihn beginnt das Verständnis der Kunst dort, wo man den Menschen in seinem Verhältnis zur sichtbaren Welt neu betrachtet: Nicht eine fertige Wirklichkeit wird einfach abgebildet, sondern Wirklichkeit entsteht erst in den Formen, in denen sie für das Bewusstsein fassbar wird. Fiedlers Blick gilt der bildenden Kunst. Er trennt sie entschieden von bloßer Nachahmung, Gefühlserregung und gedanklicher Bedeutung. Der Künstler sieht nicht nur intensiver als andere; er vermag das Sehen in eine eigene Tätigkeit zu überführen. Zeichnen, Formen und Bilden sind darum keine nachträgliche Darstellung innerer Vorstellungen, sondern die Fortsetzung des Sehprozesses mit den Mitteln der Hand. Erst im sichtbaren Werk entsteht jene Klarheit, die weder Begriff noch Sprache erreichen können. 'Der Ursprung der künstlerischen Tätigkeit' ist ein Schlüsseltext moderner Kunsttheorie. Fiedler begründet eine Ästhetik des Sichtbaren, in der das Kunstwerk nicht Träger fremder Inhalte ist, sondern eine eigenständige Form der Welterkenntnis. Kunst wird hier zur Arbeit an der Sichtbarkeit selbst: zu einem Weg, das Verworrene des Sehens in gestaltete, bewusste und dauerhafte Form zu bringen.
AmazonPagina's: 112, Hardcover, Henricus - Edition Deutsche Klassik GmbH, Berlin
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