Hermann Löns' "Der Wehrwolf: Eine Bauernchronik" entfaltet vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges eine düstere Geschichte bäuerlicher Selbstbehauptung in der norddeutschen Heide. Im Mittelpunkt steht Harm Wulf, dessen persönliche Verluste in kollektiven Widerstand gegen marodierende Söldner umschlagen. Löns verbindet chronikalische Knappheit, mundartlich gefärbte Sprache und naturalistische Härte mit Elementen der Heimatkunst; so entsteht ein Werk zwischen historischer Erzählung, Gewaltstudie und mythisierender Landschaftsdichtung. Löns, 1866 geboren und 1914 als Kriegsfreiwilliger gefallen, war Journalist, Naturbeobachter und einer der prägenden literarischen Deuter der Lüneburger Heide. Seine genaue Kenntnis bäuerlicher Lebensformen, sein Interesse an Tier- und Pflanzenwelt sowie seine Skepsis gegenüber städtischer Moderne prägen den Roman sichtbar. Zugleich spiegeln sich in ihm zeittypische Vorstellungen von Gemeinschaft, Bodenständigkeit und Wehrhaftigkeit, die später unterschiedlich vereinnahmt wurden. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die historische Prosa nicht nur als Handlung, sondern als kulturelles Dokument verstehen möchten. "Der Wehrwolf" beeindruckt durch atmosphärische Dichte und sprachliche Eigenart, verlangt jedoch eine wache, kritische Lektüre seiner Gewaltbilder und ideologischen Spannungen.
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