Die dreißig tolldreisten Geschichten versammeln Balzacs zwischen 1832 und 1837 entstandene Contes drolatiques: derbe, kunstvoll archaisierende Erzählungen aus einem imaginären spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Frankreich, besonders der Touraine. In rabelaisianischem Ton verbinden sie erotische Farce, Klerus- und Ständesatire, juristische Spitzfindigkeit und sprachliche Maskerade. Ihr scheinbar ungebändigter Witz folgt einer präzisen Poetik: Geschichte erscheint als Theater der Begierden, Macht als Körperkomödie. Honoré de Balzac, der große Architekt der Comédie humaine, schrieb diese Geschichten nicht als bloße Nebenarbeit, sondern als philologisches und ästhetisches Experiment. Seine Herkunft aus Tours, seine Bewunderung für Rabelais, sein Interesse an sozialen Energien sowie seine Erfahrung mit Zensur, Markt und literarischer Konkurrenz prägen das Werk. Die altertümliche Sprache erlaubt ihm, zeitgenössische Moral unter historischer Maske schärfer zu beobachten. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die Balzac jenseits des realistischen Gesellschaftsromans entdecken wollen. Wer Sinn für Sprachlust, groteske Komik und kulturhistorische Satire besitzt, findet hier ein anspruchsvolles, zugleich höchst vergnügliches Labor erzählerischer Freiheit.
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