Leopold Schefers Die Düvecke - Die Leiden einer Königin entfaltet aus dem Stoff um Dyveke, Christian II. von Dänemark und die vernachlässigte Königin eine historische Erzählung über Liebe, Hofintrige, weibliche Ohnmacht und moralische Verantwortung. Schefer verbindet quellennahe Geschichtsphantasie mit empfindsamer Psychologie: Nicht das Ereignis allein, sondern seine sittliche Erschütterung steht im Zentrum. Im Kontext der deutschsprachigen historischen Prosa zwischen Spätromantik, Biedermeier und Vormärz erscheint das Werk als nachdenkliche Alternative zum bloßen Kostümroman. Schefer, 1784 in Muskau geboren und 1862 dort gestorben, war Dichter, Komponist, Weltreisender und enger Vertrauter Hermann von Pückler-Muskaus. Seine humanistische, oft religiös weit gefasste Weltanschauung prägte sein Interesse an Schuld, Mitleid und der Würde des einzelnen Menschen. Gerade seine Sensibilität für soziale Abhängigkeiten und für die verborgenen Leiden politischer Figuren dürfte ihn zu dieser Darstellung einer Königin bewogen haben. Empfohlen sei das Buch Lesern, die historische Literatur nicht als dekorative Vergangenheit, sondern als moralisches Erkenntnismedium schätzen. Schefers Erzählung belohnt Aufmerksamkeit für Zwischentöne, für Machtstrukturen und für die leisen Tragödien hinter offizieller Geschichte.
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