Die Frau mit den zwei Lächeln gehört zu Maurice Leblancs späteren Arsène-Lupin-Erzählungen und verbindet Kriminalrätsel, Gesellschaftskomödie und melodramatische Maskerade. Im Zentrum steht eine weibliche Gestalt, deren doppelte Erscheinung Verführung und Verdacht gleichermaßen erzeugt; um sie gruppieren sich Geheimnisse der Herkunft, des Begehrens und des Besitzes. Leblancs Stil ist elegant, temporeich und von jener ironischen Leichtigkeit geprägt, die die französische Unterhaltungsliteratur der Zwischenkriegszeit mit dem Erbe des Feuilletons verbindet. Maurice Leblanc, 1864 in Rouen geboren, schuf mit Arsène Lupin einen Gegenentwurf zum streng rationalistischen Detektiv: einen Gentleman-Gauner, der Verbrechen, Spiel und Gerechtigkeit in prekärer Balance hält. Seine Erfahrung als Journalist und Erzähler, sein Sinn für Pariser Milieus sowie seine Kenntnis populärer Serienformen prägen auch dieses Buch. Leblancs anhaltendes Interesse an Verkleidung, sozialer Rolle und moralischer Ambivalenz erklärt die Faszination an einer Frau, deren Lächeln mehr als eine Wahrheit verbirgt. Empfohlen sei dieser Roman Lesern, die den klassischen Kriminalroman nicht nur als Rätselmaschine, sondern als kunstvolle Bühne psychologischer und gesellschaftlicher Täuschungen schätzen. Wer Lupins Charme, Leblancs erzählerische Ökonomie und die Atmosphäre eines raffiniert konstruierten Geheimnisses sucht, findet hier ein besonders reizvolles Beispiel.
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