Die Geschichten der Kreuzfahrer vereint mit Die Verlobten und Der Talisman zwei komplementäre Entwürfe des Mittelalters: die Grenzgesellschaft der walisischen Marken unter normannischer Herrschaft und das politische wie religiöse Spannungsfeld des Dritten Kreuzzugs. Scott verbindet archivalisch anmutende Detailfülle, farbige Dialogkunst und romantische Intrige mit einer nüchternen Analyse von Loyalität, Ritterideal und Macht. Zwischen Burg, Lager und Heerlager entsteht ein historischer Roman, der Abenteuer und Kulturkritik zugleich ist. Walter Scott, geboren 1771 in Edinburgh und geprägt von schottischer Rechtskultur, Antiquarismus und Balladentradition, begründete den modernen historischen Roman. Seine Beschäftigung mit Grenzräumen, dynastischen Konflikten und dem Verhältnis von Mythos und Geschichte erklärt die Wahl der Kreuzzüge als Stoff. Als Jurist, Sammler und Europäer der Romantik erkannte er im Mittelalter einen Spiegel zeitgenössischer Nationenbildung und imperialer Selbstprüfung. Zu empfehlen ist der Band Lesern, die historische Erzählkunst nicht als bloße Kostümierung, sondern als Verfahren der Erkenntnis schätzen. Scotts Prosa verlangt Aufmerksamkeit, belohnt sie jedoch mit psychologischer Ambivalenz, szenischer Kraft und einem überraschend differenzierten Blick auf Christen und Muslime. Wer die Ursprünge des europäischen Geschichtsromans verstehen will, findet hier ein grundlegendes, lebendiges Doppelwerk.
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