Die große Gauklerin: Ein Roman aus Venedig entfaltet die Lagunenstadt als Bühne der Masken, Intrigen und sozialen Verwandlungen. Carry Brachvogel verbindet historische Atmosphäre mit psychologischer Beobachtung: Venedig erscheint nicht bloß als pittoresker Schauplatz, sondern als literarisches Symbol einer Kultur, in der Glanz, Täuschung und Macht untrennbar ineinandergreifen. Ihr Stil ist elegant, pointiert und erzählerisch kontrolliert; er steht im Kontext des deutschsprachigen Gesellschafts- und Künstlerromans um 1900, zugleich aber in der Tradition historischer Venedig-Imaginationen. Carry Brachvogel, 1864 in München geboren, gehörte zu den produktiven Autorinnen des frühen 20. Jahrhunderts und engagierte sich auch im Umfeld der Frauenbewegung. Ihre Aufmerksamkeit galt häufig weiblichen Lebensentwürfen, gesellschaftlichen Rollenbildern und den Spannungen zwischen individueller Begabung und öffentlicher Erwartung. Diese Interessen dürften die Gestaltung einer großen Gauklerin geprägt haben: einer Figur, an der sich Selbstinszenierung, Freiheit und Gefährdung exemplarisch studieren lassen. Empfohlen sei dieser Roman Leserinnen und Lesern, die historische Prosa nicht als bloße Kostümierung, sondern als Analyse menschlicher und gesellschaftlicher Maskenspiele schätzen. Das Buch bietet ein kluges, atmosphärisch dichtes Venedigbild und eröffnet zugleich einen Zugang zu einer lange unterschätzten Autorin der Moderne.
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