In "Die Katze" entfaltet Colette ein psychologisch präzises Kammerspiel um Alain, seine junge Ehefrau Camille und die geliebte Chartreux-Katze Saha. Aus einer scheinbar schmalen Dreieckskonstellation entwickelt der Roman eine Studie über Besitz, Begehren, Eifersucht und die Unvereinbarkeit kindlicher Bindungen mit ehelicher Reife. Colettes Prosa ist sinnlich, knapp und von mikroskopischer Beobachtungskraft; im Kontext der französischen Moderne steht das Werk für eine Literatur, die häusliche Räume als Schauplätze existenzieller Konflikte ernst nimmt. Colette, 1873 in Saint-Sauveur-en-Puisaye geboren, kannte die Pariser Gesellschaft, ihre Rituale und ihre Heucheleien aus eigener Erfahrung. Als Schriftstellerin, Journalistin, Bühnenkünstlerin und genaue Beobachterin weiblicher wie männlicher Rollenbilder interessierte sie sich zeitlebens für Grenzbereiche zwischen Instinkt und Kultur. Ihre besondere Nähe zu Tieren, verbunden mit einer skeptischen Sicht auf Ehe und bürgerliche Konvention, bildet den geistigen Hintergrund dieses Romans. "Die Katze" empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die keine breit angelegte Handlung, sondern eine konzentrierte Analyse seelischer Abhängigkeiten suchen. Das Buch zeigt mit kühler Eleganz, wie Zärtlichkeit in Herrschaft umschlagen kann. Gerade seine Kürze macht es zu einem meisterhaften, beunruhigend klaren Werk Colettes.
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