Die Laune des Verliebten gehört zu Goethes frühesten dramatischen Versuchen und entfaltet in der Form eines einaktigen Schäferspiels die Psychologie der Eifersucht. Eridon quält die treue Amine mit misstrauischer Leidenschaft, während die pastorale Umgebung scheinbar heitere Liebesordnung verspricht. In gereimter, an Rokoko, Anakreontik und französischer Komödie geschulter Sprache verbindet das Stück galante Konvention mit feiner Beobachtung affektiver Unfreiheit. Gerade im vorstürmerischen Kontext zeigt sich bereits Goethes Interesse an inneren Spannungen, die gesellschaftliche Rollen und Liebesideale unterlaufen. Der junge Johann Wolfgang von Goethe verfasste das Stück während seiner Leipziger Jahre, in denen juristische Studien, Theatererfahrungen und literarische Geselligkeit zusammentrafen. Seine Begegnung mit der bürgerlichen Empfindsamkeit, mit Wieland, Gellert und der französisch geprägten Bühnenästhetik formte den Ton des Werkes. Zugleich dürfte Goethes eigene Liebeserfahrung, insbesondere die Beziehung zu Käthchen Schönkopf, das Motiv der kränkenden Eifersucht biographisch geschärft haben. Dieses Werk empfiehlt sich allen, die Goethes Entwicklung nicht erst mit Werther oder Faust beginnen lassen wollen. Es bietet einen seltenen Blick auf den experimentierenden Dichter, dessen scheinbar leichte Schäferwelt bereits menschliche Selbsttäuschung, Besitzdenken und emotionale Erziehung sichtbar macht.
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