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Die natürliche Tochter, Goethes 1803 uraufgeführtes Trauerspiel, entfaltet in streng komponierten Blankversen das Schicksal Eugenies, einer illegitimen Fürstentochter, deren Anerkennung an den Mechanismen höfischer Macht zerbricht. Zwischen dynastischer Intrige, Staatsräson und persönlicher Würde gestaltet Goethe kein bloßes Revolutionsdrama, sondern eine klassizistische Untersuchung politischer Ordnung und moralischer Autonomie. Die Sprache ist konzentriert, pathetisch gezügelt und von jener Weimarer Formstrenge geprägt, die historische Erschütterung in exemplarische Konflikte überführt. Johann Wolfgang von Goethe schrieb das Stück im Schatten der Französischen Revolution und der napoleonischen Neuordnung Europas, deren Folgen er aus der Distanz des Weimarer Staatsmannes wie des Dichters beobachtete. Seine eigene Erfahrung mit höfischen Hierarchien, Verwaltung, Diplomatie und der Zerbrechlichkeit gesellschaftlicher Legitimation bildet den geistigen Hintergrund dieses Werks. In Eugenies Ausgesetztsein spiegeln sich Goethes Fragen nach Herkunft, Recht, Bildung und der Möglichkeit sittlicher Selbstbehauptung in einer instabilen Welt. Dieses Drama empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Goethes Klassik jenseits der bekannten Hauptwerke erkunden möchten. Die natürliche Tochter belohnt aufmerksame Lektüre durch gedankliche Präzision, formale Schönheit und politische Tiefenschärfe. Es ist ein anspruchsvolles, zu Unrecht seltener gelesenes Werk über Macht, Identität und die Gefährdung menschlicher Würde.
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