Daniel Defoes Die Pest zu London rekonstruiert die große Pestepidemie von 1665 als scheinbar unmittelbaren Augenzeugenbericht eines Londoner Bürgers. Zwischen Chronik, dokumentarischer Fiktion und moralischer Erzählung entfaltet der Text ein Panorama der bedrohten Stadt: Quarantänen, Fluchtbewegungen, religiöse Deutungen, ökonomische Not und alltägliche Angst. Sein nüchterner, protokollarischer Stil, durchsetzt mit Statistiken, Anekdoten und Reflexionen, macht das Werk zu einem frühen Meisterstück des realistischen Romans und zu einem Schlüsseltext der Katastrophenliteratur. Daniel Defoe, um 1660 geboren, war Kaufmann, Journalist, politischer Pamphletist und einer der Wegbereiter des englischen Romans. Die Pest erlebte er als Kind, doch schrieb er das Buch 1722, in einer Zeit erneuter europäischer Seuchensorgen. Seine Erfahrung mit Handel, Stadtleben, öffentlicher Meinung und religiösen Konflikten prägte den analytischen Blick des Werks. Defoes journalistische Genauigkeit verbindet sich hier mit erzählerischer Erfindungskraft. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die historische Literatur nicht als bloße Vergangenheit, sondern als Untersuchung gesellschaftlicher Verwundbarkeit begreifen. Die Pest zu London ist zugleich erschütterndes Stadtbild, Studie menschlichen Verhaltens in der Krise und erstaunlich moderne Meditation über Angst, Information und Verantwortung.
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