Die Tote Stadt entfaltet einen Abenteuerroman, in dem die Entdeckung einer verlassenen, rätselhaften Stadt zum Prüfstein von Mut, Beobachtungsgabe und moralischer Urteilsfähigkeit wird. Mader verbindet spannungsreiche Handlung mit topographischer Genauigkeit, ethnographisch gefärbter Neugier und dem zeittypischen Glauben an wissenschaftliche Erklärbarkeit. Im Kontext der deutschen Jugend- und Kolonialabenteuerliteratur um 1900 erscheint das Werk zugleich als Erzählung des Entdeckens und als Reflex auf die Faszination untergegangener Kulturen. Friedrich Wilhelm Mader, 1866 in Nizza geboren und 1945 gestorben, gehörte zu den produktiven Vertretern populärer Abenteuerliteratur für ein junges wie erwachsenes Publikum. Seine Bücher zehren von Reiseberichten, geografischem Wissen und der Imagination ferner Räume; zugleich spiegeln sie die Horizonte und Begrenzungen ihrer Epoche. Die Verbindung von naturkundlicher Belehrung, patriotischem Ton und erzählerischer Bewegung dürfte auch Die Tote Stadt geprägt haben. Empfohlen sei dieser Roman Lesern, die historische Abenteuerliteratur nicht nur als Unterhaltung, sondern als kulturelles Dokument lesen möchten. Wer sich für frühe Formen populärer Archäologie, für die Erzählmuster des Forschungsreisenden und für die Ambivalenz zwischen Wissensdrang und Fremdbildern interessiert, findet hier ein aufschlussreiches Werk. Die Tote Stadt lohnt die Lektüre gerade dort, wo Spannung und Zeitgeschichte einander durchdringen.
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