Eine Evatochter entfaltet im Rahmen der Comédie humaine ein präzises Sittenbild der Pariser Gesellschaft nach der Restauration. Im Mittelpunkt steht Marie-Angélique de Vandenesse, deren eheliche Tugend durch die leidenschaftliche, zugleich gefährlich literarische Anziehungskraft des Schriftstellers Raoul Nathan geprüft wird. Balzac verbindet psychologische Analyse, Gesellschaftssatire und ökonomische Beobachtung: Salon, Presse, Kreditwesen und Ehe erscheinen als miteinander verflochtene Machtordnungen. Honoré de Balzac, 1799 geboren und unermüdlicher Chronist seiner Epoche, schöpfte hier aus genauer Kenntnis aristokratischer Milieus, journalistischer Intrigen und finanzieller Spekulationen. Seine eigene Erfahrung als Schriftsteller im Pariser Literaturbetrieb schärfte den Blick für Nathans Ambitionen und Abhängigkeiten. Zugleich spiegeln sich Balzacs dauernde Fragen nach Stand, Begehren, Moral und gesellschaftlicher Inszenierung in der Figur einer Frau, die zwischen religiöser Erziehung und moderner Verführung steht. Empfohlen sei dieses Buch allen Lesern, die Balzacs Kunst der sozialen Durchdringung schätzen oder kennenlernen möchten. Eine Evatochter ist kein bloßer Ehebruchroman, sondern eine hellsichtige Studie über Illusion, weibliche Handlungsspielräume und die Verführungskraft öffentlicher Rollen. Gerade seine dichte Verknüpfung von Gefühl und Gesellschaft macht den Text bis heute eindrucksvoll lesbar.
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