Fesselnde Erzählungen eines Skandalautors versammelt Prosastücke, in denen Frank Wedekinds unverwechselbare Kunst der Provokation sichtbar wird: scharf konturierte Szenen, psychologisch gespannte Dialoge und eine oft groteske Komik, die bürgerliche Moral, Sexualnormen und soziale Heuchelei bloßlegt. Im literarischen Kontext des Fin de Siècle steht Wedekind zwischen Naturalismus, Symbolismus und frühem Expressionismus; seine Erzählweise verbindet szenische Prägnanz mit satirischer Zuspitzung und macht das Verdrängte zur eigentlichen Hauptfigur. Wedekind, 1864 geboren und durch Werke wie Frühlings Erwachen und die Lulu-Dramen berühmt wie umstritten, schrieb aus der Erfahrung eines Künstlers, der Zensur, öffentliche Empörung und gesellschaftliche Ausgrenzung kannte. Seine Tätigkeit als Journalist, Kabarettist und Dramatiker schärfte seinen Blick für Maskenspiel, Machtverhältnisse und die Gewalt moralischer Konventionen. Gerade diese biographische Spannung erklärt die Energie seiner Prosa. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Literatur nicht als Beruhigung, sondern als intellektuelle Herausforderung suchen. Wedekinds Erzählungen sind historisch aufschlussreich und zugleich erstaunlich gegenwärtig: Sie zeigen, wie eng Begehren, Sprache und gesellschaftliche Ordnung miteinander verflochten sind.
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