Freytags schönste Gedichte versammelt die lyrischen Stimmen eines Autors, der gewöhnlich vor allem als Erzähler, Dramatiker und Kulturhistoriker wahrgenommen wird. Die Auswahl zeigt eine Dichtung, die zwischen bürgerlicher Empfindsamkeit, national-liberaler Zeitstimmung und klassizistisch geschulter Formdisziplin vermittelt. Naturbilder, historische Anspielungen und moralische Reflexionen verbinden sich mit klarer Sprache und metrischer Ordnung; gerade darin wird Freytags Nähe zur poetischen Kultur des 19. Jahrhunderts sichtbar, die Kunst, Bildung und gesellschaftliche Verantwortung eng zusammendachte. Gustav Freytag, 1816 in Kreuzburg geboren und 1895 in Wiesbaden gestorben, war Philologe, Journalist, Theaterautor und einer der einflussreichen Vertreter des deutschen Realismus. Seine akademische Ausbildung, seine politische Publizistik und sein Interesse an deutscher Geschichte prägten sein literarisches Selbstverständnis. Auch in den Gedichten spricht ein Autor, der persönliche Stimmung nicht von öffentlicher Haltung trennt und der lyrische Form als Mittel geistiger und sittlicher Klärung begreift. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Freytag jenseits von Soll und Haben oder den Bildern aus der deutschen Vergangenheit entdecken möchten. Die Gedichte eröffnen einen konzentrierten Zugang zu seiner Gedankenwelt und bereichern das Verständnis des literarischen 19. Jahrhunderts.
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