Gegen das Weltgesetz entfaltet eine frühe deutsche Science-Fiction, in der naturwissenschaftliche Spekulation nicht bloße Kulisse, sondern Motor der Handlung ist. Laßwitz stellt den menschlichen Erkenntnisdrang gegen die scheinbar unüberwindlichen Ordnungen von Kosmos, Kausalität und technischer Machbarkeit. In klarer, argumentierender Prosa verbindet der Roman Abenteuer, Gedankenexperiment und philosophischen Dialog; sein literarischer Ort liegt zwischen Verne'scher Wissenschaftserzählung, utopischem Zukunftsroman und dem erkenntniskritischen Realismus des späten 19. Jahrhunderts. Kurd Laßwitz (1848-1910), Mathematiker, Physiker und Gymnasiallehrer in Gotha, gilt als einer der Begründer der deutschsprachigen Science-Fiction. Seine Vertrautheit mit Mechanik, Astronomie und zeitgenössischer Philosophie erklärt die besondere Spannung dieses Buches: Technik erscheint bei ihm nie als Wunder, sondern als prüfbare Hypothese, deren ethische Folgen zu bedenken sind. Der Kantisch geschulte Pädagoge schrieb aus dem Vertrauen, dass Vernunft die Welt erhellen, aber nicht beliebig beherrschen könne. Empfohlen sei dieser Roman allen, die Science-Fiction als intellektuelle Literatur lesen möchten: historisch bedeutsam, wissenschaftlich neugierig und moralisch wach. Wer die Vorgeschichte moderner Zukunftserzählungen verstehen will, findet hier ein konzentriertes Beispiel deutscher Spekulationskunst.
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