Herr und Knecht
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Beschrijving
Bol
Leo Tolstois Herr und Knecht (1895) erzählt von dem Gutsherrn Wassili Andrejitsch Brechunow und seinem Knecht Nikita, die in einem Schneesturm eine geschäftliche Reise unternehmen. Aus der realistisch präzisen Schilderung von Landschaft, Körpernot und sozialer Abhängigkeit entwickelt Tolstoi eine moralische Parabel über Besitz, Angst und Erlösung. Der nüchterne, fast protokollarische Stil verbindet psychologische Genauigkeit mit religiöser Symbolik und steht im Spätwerk neben den asketischen Erzählungen, in denen Tolstoi die Grundlagen bürgerlicher Macht und Selbstsucht prüft. Tolstoi, 1828 in Jasnaja Poljana geboren, war Aristokrat, Soldat, Romancier und radikaler Moralist. Nach Krieg und Frieden und Anna Karenina führte ihn eine tiefe geistige Krise zu einer christlich-anarchischen Ethik der Gewaltlosigkeit, Einfachheit und Nächstenliebe. Seine Erfahrungen als Gutsbesitzer, sein Wissen um bäuerliches Leben und seine Kritik am Eigentumsdenken prägen diese Erzählung unmittelbar: Herrschaft erscheint hier nicht als Ordnung, sondern als geistige Verblendung. Empfohlen sei Herr und Knecht allen, die in knapper Form die späte Kunst Tolstois kennenlernen möchten. Die Erzählung ist spannend, symbolisch dicht und philosophisch klar; sie zeigt, wie eine Extremsituation soziale Rollen entlarvt und menschliche Umkehr möglich macht.
Leo Tolstois Herr und Knecht (1895) erzählt von dem Gutsherrn Wassili Andrejitsch Brechunow und seinem Knecht Nikita, die in einem Schneesturm eine geschäftliche Reise unternehmen. Aus der realistisch präzisen Schilderung von Landschaft, Körpernot und sozialer Abhängigkeit entwickelt Tolstoi eine moralische Parabel über Besitz, Angst und Erlösung. Der nüchterne, fast protokollarische Stil verbindet psychologische Genauigkeit mit religiöser Symbolik und steht im Spätwerk neben den asketischen Erzählungen, in denen Tolstoi die Grundlagen bürgerlicher Macht und Selbstsucht prüft. Tolstoi, 1828 in Jasnaja Poljana geboren, war Aristokrat, Soldat, Romancier und radikaler Moralist. Nach Krieg und Frieden und Anna Karenina führte ihn eine tiefe geistige Krise zu einer christlich-anarchischen Ethik der Gewaltlosigkeit, Einfachheit und Nächstenliebe. Seine Erfahrungen als Gutsbesitzer, sein Wissen um bäuerliches Leben und seine Kritik am Eigentumsdenken prägen diese Erzählung unmittelbar: Herrschaft erscheint hier nicht als Ordnung, sondern als geistige Verblendung. Empfohlen sei Herr und Knecht allen, die in knapper Form die späte Kunst Tolstois kennenlernen möchten. Die Erzählung ist spannend, symbolisch dicht und philosophisch klar; sie zeigt, wie eine Extremsituation soziale Rollen entlarvt und menschliche Umkehr möglich macht.