Hier Zensur - wer dort? entfaltet eine gelehrte, zugleich polemisch wache Untersuchung der staatlichen, kirchlichen und gesellschaftlichen Eingriffe in das gedruckte Wort. Houben verbindet Quellenbericht, literarhistorische Miniatur und kulturpolitischen Essay: Verbote, Streichungen und Prozesse erscheinen nicht als Randphänomene, sondern als Kräfte, die Kanonbildung, Autorschaft und Öffentlichkeit mitgestaltet haben. Im Kontext der deutschen Zensur- und Pressegeschichte liest das Buch Literatur als Schauplatz institutioneller Macht. H. H. Houben (1875-1935), Literaturhistoriker, Editor und unermüdlicher Erforscher verschütteter Dokumente, war für ein solches Thema besonders disponiert. Seine Arbeit an Nachlässen, Briefen und bibliographischen Spuren schärfte den Blick für das, was offizielle Überlieferung ausspart. Als Gelehrter zwischen Archiv und Feuilleton interessierte ihn weniger die abstrakte Theorie der Freiheit als deren konkrete Gefährdung im Alltag von Verlegern, Schriftstellern und Lesern. Empfohlen sei dieses Buch allen, die verstehen möchten, wie eng Literaturgeschichte und Rechts-, Medien- sowie Mentalitätsgeschichte ineinandergreifen. Houben schreibt mit der Autorität des Kenners und der Unruhe des Aufklärers; seine Beispiele machen die Zensur anschaulich, ohne sie zu verharmlosen. Wer heutige Debatten über Meinungsfreiheit historisch vertiefen will, findet hier ein kluges, materialreiches und weiterhin anregendes Werk.
AmazonPagina's: 240, Paperback, Sharp Ink
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