Joseph Roths Roman Hiob (1930) erzählt die Geschichte des frommen Ostjuden Mendel Singer, der mit seiner Familie aus einem galizischen Schtetl nach Amerika auswandert und dort eine Kette von Verlusten erleidet: Krankheit, Entfremdung, Krieg und scheinbare Gottesferne. In klarer, biblisch rhythmisierter Prosa verbindet Roth realistische Milieuschilderung mit Legendenform; das Buch steht zwischen moderner Exilliteratur, jüdischer Erzähltradition und einer säkularisierten Fortschreibung des alttestamentlichen Hiob-Motivs. Joseph Roth, 1894 in Brody geboren, kannte die zerfallende Welt des osteuropäischen Judentums und der Habsburgermonarchie aus eigener Erfahrung. Als Journalist und Romancier beobachtete er Migration, Assimilation, Armut und den Verlust religiöser wie politischer Ordnungen mit melancholischer Schärfe. Hiob dürfte aus dieser biographischen Erfahrung des Entwurzeltseins ebenso erwachsen sein wie aus Roths lebenslanger Suche nach Gnade, Heimat und einer Sprache für Katastrophen. Empfohlen sei Hiob allen Leserinnen und Lesern, die eine knappe, zugleich tief resonierende Erzählung über Leid, Glauben und Hoffnung suchen. Roth vermeidet Sentimentalität, ohne Trost zu verweigern; er zeigt, wie Würde selbst im Zerbrechen möglich bleibt. Wer die Moderne nicht nur als ästhetisches Experiment, sondern als Prüfung menschlicher Bindungen verstehen will, findet hier ein Meisterwerk.
AmazonPagina's: 92, Paperback, Sharp Ink
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