Theodor Fontanes Irrungen, Wirrungen erzählt die stille, doch folgenreiche Liebesgeschichte zwischen der Näherin Lene Nimptsch und dem adligen Offizier Botho von Rienäcker im Berlin der 1870er Jahre. In nüchterner, fein ironischer Prosa entfaltet Fontane ein gesellschaftliches Gefüge, in dem Gefühl, Standesbewusstsein und ökonomische Vernunft unvereinbar erscheinen. Der Roman gehört zu den zentralen Werken des poetischen Realismus: Nicht dramatische Zuspitzung, sondern präzise Beobachtung, Dialogkunst und moralische Zurückhaltung bestimmen seine Wirkung. Fontane, 1819 geboren, war Apotheker, Journalist, Kriegsberichterstatter und Theaterkritiker, bevor er zu einem der bedeutendsten deutschen Romanciers des 19. Jahrhunderts wurde. Seine genaue Kenntnis preußischer Milieus, seine Skepsis gegenüber gesellschaftlichen Konventionen und sein Interesse an weiblicher Integrität prägen dieses Werk. Lene erscheint nicht als sentimentale Opferfigur, sondern als moralisch klare, selbstbewusste Gestalt. Empfohlen sei Irrungen, Wirrungen allen Lesern, die historische Liebesromane nicht als bloße Romantik, sondern als Analyse sozialer Wirklichkeit verstehen. Fontanes Roman berührt durch seine leise Tragik und überzeugt durch intellektuelle Redlichkeit.
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