In Jozef Filsers Briefwexel entfaltet Ludwig Thoma eine scharf konturierte Satire auf die politische Kultur des wilhelminischen Bayern. In fingierten, absichtsvoll orthographisch entstellten Briefen spricht der bäuerlich-katholische Landtagsabgeordnete Josef Filser: selbstgewiss, beschränkt, intrigant und doch von komischer Lebensnähe. Derb-dialektale Komik, epistolare Maskierung und präzise Milieubeobachtung verbinden sich zu einer literarischen Demaskierung von Parlamentarismus, Parteirhetorik und provinzieller Machttechnik. Thoma, 1867 in Oberammergau geboren, war Jurist, Journalist und eine prägende Stimme des Simplicissimus. Seine Erfahrungen als Rechtsanwalt, seine genaue Kenntnis oberbayerischer Verhältnisse und seine Nähe zur satirischen Presse schärften den Blick für soziale Rollen, Amtsautorität und politische Heuchelei. Filser ist daher keine bloße Karikatur, sondern die verdichtete Figur eines Systems, das Frömmigkeit, Opportunismus und Lokalpatriotismus wirkungsvoll verschränkt. Empfohlen sei dieses Buch allen Lesern, die politische Satire nicht als tagesgebundene Polemik, sondern als literarische Erkenntnisform verstehen. Trotz historischer Verankerung wirkt der Briefwexel erstaunlich gegenwärtig: Er zeigt, wie Sprache Macht verschleiert, wie Dummheit gesellschaftsfähig wird und wie Komik zur kritischen Methode werden kann.
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