Das Jubiläenbuch, ein anonym überliefertes Werk des antiken Judentums, bietet eine kunstvoll geordnete Neuschreibung der Genesis und der ersten Kapitel des Exodus. Sein erzählerisches Prinzip ist die Einteilung der Weltgeschichte in Jahrwochen und Jubiläen, wodurch Schöpfung, Patriarchenerzählungen und Gesetzgebung in einen präzisen heilsgeschichtlichen Kalender eingefügt werden. Stilistisch verbindet der Text biblische Paraphrase, apokalyptische Offenbarung und rechtliche Unterweisung; literarisch steht er zwischen Tora-Auslegung, Weisheitslehre und frühjüdischer Geschichtstheologie. Der unbekannte Autor dürfte einem gelehrten Milieu angehört haben, das die Autorität der mosaischen Überlieferung gegen hellenistische Einflüsse, kultische Unsicherheit und konkurrierende Kalendertraditionen sichern wollte. Seine besondere Aufmerksamkeit für Reinheit, Sabbat, Beschneidung und Festzeiten verrät ein starkes Interesse an Identität, Ordnung und Bundesgehorsam. Gerade die Anonymität des Werkes unterstreicht seinen Anspruch, nicht private Meinung, sondern offenbarte Tradition zu vermitteln. Empfohlen sei dieses Buch allen, die die Entstehung jüdischer Schriftinterpretation, die Vorgeschichte rabbinischer Exegese und die religiöse Welt des Zweiten Tempels verstehen möchten. Es eröffnet einen faszinierenden Blick darauf, wie biblische Geschichte neu gelesen, systematisiert und theologisch zugespitzt werden kann.
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