Joseph Krauskopfs "Juden und Mauren in Spanien" entfaltet ein historisch-kulturgeschichtliches Panorama des mittelalterlichen Spanien, in dem jüdische und maurische Gelehrsamkeit, Politik, Dichtung, Philosophie und Alltagskultur in produktive Spannung treten. Das Buch verbindet anschauliche Reise- und Geschichtsdarstellung mit gelehrter Synthese; sein Stil ist rhetorisch kraftvoll, didaktisch klar und von der liberalen Fortschrittsidee des 19. Jahrhunderts geprägt. Im Kontext jüdischer Historiographie liest es al-Andalus als Gegenbild zu Verfolgung und geistiger Verengung. Joseph Krauskopf, aus Preußen stammender amerikanischer Reformrabbiner, Prediger und Sozialreformer, war tief an jüdischer Selbstvergewisserung und interreligiöser Verständigung interessiert. Seine Bildung, seine rabbinische Tätigkeit in Philadelphia und sein Engagement für moderne jüdische Identität erklären das Interesse an Spanien als Erinnerungsraum: Dort fand er ein Beispiel dafür, wie Minderheiten unter günstigen politischen und kulturellen Bedingungen schöpferisch wirken konnten. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die jüdische Geschichte nicht nur als Leidensgeschichte, sondern als Geschichte intellektueller Blüte verstehen möchten. Es bietet keine nüchterne Spezialmonographie im heutigen Sinn, wohl aber eine eindrucksvolle, quellennahe und moralisch engagierte Deutung einer Epoche, deren Fragen nach Toleranz, Bildung und kultureller Begegnung weiterhin aktuell sind.
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