In Jugend ohne Gott entwirft Ödön von Horváth das beklemmende Porträt einer moralisch deformierten Jugend im Schatten des Nationalsozialismus. Im Zentrum steht ein Lehrer, der zwischen Anpassung, Angst und Gewissensprüfung gerät, als ein Schüler während eines vormilitärischen Lagers ermordet wird. Der Roman verbindet Kriminalhandlung, Schul- und Gesellschaftsroman mit einer nüchternen, präzisen Sprache, deren scheinbare Einfachheit die ideologische Verwahrlosung umso schärfer sichtbar macht. Horváth, 1901 in Fiume geboren und als vielsprachiger Mitteleuropäer von Grenzerfahrungen geprägt, beobachtete früh die Zerbrechlichkeit bürgerlicher Moral unter politischem Druck. Seine Dramen und Prosatexte kreisen um Opportunismus, Sprachverfall und die Gewalt kollektiver Parolen. Jugend ohne Gott entstand im Exil und spiegelt die Erfahrung eines Autors, der die Mechanismen autoritärer Erziehung und die Verrohung des Denkens mit analytischer Klarheit erkannte. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Literatur nicht nur als ästhetische Form, sondern als Instrument historischer und ethischer Erkenntnis begreifen. Horváths Roman ist kurz, doch von außergewöhnlicher Dichte: Er fordert dazu auf, Verantwortung, Wahrheit und Zivilcourage dort zu prüfen, wo Gleichgültigkeit bereits als Tugend gilt.
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