Voltaires "Kandid" ist eine scharf geschliffene philosophische Erzählung über den jungen Kandid, der, von seinem Lehrer Pangloss im Glauben an die "beste aller möglichen Welten" erzogen, durch Krieg, Erdbeben, Inquisition, Habgier und koloniale Gewalt in eine grausam widersprüchliche Wirklichkeit gestoßen wird. In lakonischer Prosa, schneller Episodenfolge und beißender Ironie demontiert Voltaire den metaphysischen Optimismus Leibniz'scher Prägung. Das Werk steht im Zentrum der europäischen Aufklärung: als Satire, als Anti-Roman und als moralische Untersuchung über Vernunft, Leid und menschliche Verantwortung. Voltaire, 1694 als François-Marie Arouet geboren, war Dramatiker, Historiker, Philosoph und einer der wirkungsmächtigsten Publizisten des 18. Jahrhunderts. Seine Erfahrungen mit Zensur, Exil, religiöser Intoleranz und politischer Willkür prägten sein Denken. Die Katastrophe des Erdbebens von Lissabon 1755 sowie die zeitgenössischen Debatten über Vorsehung und Übel gaben "Kandid" besondere Dringlichkeit. Dieses Buch empfiehlt sich allen Leserinnen und Lesern, die Literatur als Instrument geistiger Präzision schätzen. "Kandid" ist kurz, brillant und unerbittlich aktuell: Es lehrt Skepsis gegenüber bequemen Systemen und endet mit einer nüchternen, praktischen Ethik des Handelns.
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