Daniel Defoes "Kapitän Bob Singleton" entfaltet die abenteuerliche Lebensbeichte eines früh entführten Engländers, der über Afrika bis in die Welt der Piraterie gelangt. In nüchterner, dokumentarisch wirkender Prosa verbindet der Roman Reisebericht, ökonomische Beobachtung und moralische Selbstprüfung. Als Werk der frühen englischen Romantradition steht er zwischen picaresker Erzählung, kolonialer Imagination und protestantischer Bekehrungsgeschichte. Defoe, Kaufmann, Journalist und Dissenter, kannte die Sprache des Handels, der Seefahrt und der politischen Unsicherheit aus eigener Erfahrung. Seine Biographie - geprägt von Spekulation, Bankrott, Gefängnis und publizistischer Unermüdlichkeit - erklärt die besondere Aufmerksamkeit des Romans für Risiko, Profit, soziale Beweglichkeit und Gewissenskonflikte. Singleton ist weniger romantischer Held als Experimentierfigur einer expandierenden Handelswelt. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Abenteuerliteratur nicht bloß als Unterhaltung, sondern als Analyse frühmoderner Globalisierung verstehen möchten. Defoes scheinbar schlichte Erzählkunst zeigt, wie Gewalt, Unternehmertum und religiöse Reflexion ineinandergreifen. "Kapitän Bob Singleton" bleibt daher ein faszinierendes Dokument der Romanentstehung und ein scharfsinniger Kommentar zur moralischen Ökonomie des Imperiums.
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