Leben und Tod Königs Richard des zweyten entfaltet den Sturz eines sakral verstandenen Monarchen, dessen poetische Selbstinszenierung an den Anforderungen politischer Wirklichkeit zerbricht. Shakespeare gestaltet den Konflikt zwischen Richard II. und Bolingbroke weniger als bloße Chronik denn als sprachlich hochartifizielle Tragödie der Legitimität, in der Zeremoniell, Metapher und Macht unauflöslich ineinandergreifen. Im Kontext der englischen Historienstücke bildet das Werk den Auftakt zur großen Tetralogie über dynastische Schuld, Bürgerkrieg und die prekäre Ordnung des Staates. William Shakespeare, tief vertraut mit den Quellen der Tudor-Geschichtsschreibung, insbesondere Holinsheds Chronicles, schrieb in einer Epoche, in der Fragen nach Thronfolge, Gehorsam und Widerstand politisch brisant waren. Die Regierungszeit Elisabeths I. und die Erinnerung an innere Unruhen verliehen Richards Schicksal besondere Aktualität. Shakespeares dramatische Kunst verwandelt historische Überlieferung in eine Untersuchung von Herrschaft, Persönlichkeit und öffentlicher Rolle. Dieses Stück empfiehlt sich Lesern, die historische Dramatik nicht als museale Rekonstruktion, sondern als Analyse politischer Sprache begreifen möchten. Wer Shakespeares Fähigkeit schätzt, Machtkrisen in lyrische Intensität und philosophische Schärfe zu überführen, findet hier eines seiner geschlossensten, elegantesten und beunruhigendsten Königsdramen.
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