Moderne Geister: Literarische Bildnisse aus dem neunzehnten Jahrhundert versammelt Georg Brandes' prägnante Porträts jener Autoren, in denen sich die geistigen Spannungen der europäischen Moderne verdichten. Das Buch liest Literatur nicht als abgeschlossene Ästhetik, sondern als Ausdruck historischer Kräfte: Individualismus, Skepsis, Freiheitsdrang und soziale Kritik. Brandes verbindet essayistische Eleganz mit vergleichender Methode, psychologischem Scharfblick und kulturgeschichtlicher Deutung. Im Kontext des Realismus, Naturalismus und der nachromantischen Selbstprüfung entsteht so ein Panorama des neunzehnten Jahrhunderts als Epoche kämpfender Ideen. Georg Brandes, 1842 in Kopenhagen geboren, war einer der einflussreichsten Literaturkritiker Europas und der programmatische Vermittler des modernen Durchbruchs in Skandinavien. Seine jüdisch-bürgerliche Herkunft, seine Studien der Philosophie, seine Auseinandersetzung mit Taine, Sainte-Beuve und dem französischen Positivismus sowie seine Konflikte mit konservativen Institutionen prägten seine kritische Haltung. Brandes schrieb aus der Erfahrung eines Kosmopoliten, der Literatur als moralische und intellektuelle Bewegung verstand. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die literarische Porträts nicht als bloße Biographien, sondern als Denkformen begreifen möchten. Brandes eröffnet Zugänge zu Autoren und Ideen, die Europas Moderne vorbereitet haben. Seine Urteile sind pointiert, manchmal streitbar, stets anregend; gerade darin liegt ihr bleibender Wert für Literaturwissenschaftler, historisch Interessierte und anspruchsvolle Leser.
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