In "Mont Oriol" entfaltet Guy de Maupassant die Geschichte eines auvergnatischen Kurortes, dessen Heilquellen durch bürgerlichen Unternehmungsgeist, medizinische Rhetorik und spekulatives Kapital in eine moderne Profitmaschine verwandelt werden. Um den Bankier William Andermatt, seine Frau Christiane und den leidenschaftlichen Paul Brétigny verknüpft der Roman Liebesdrama, Gesellschaftssatire und ökonomische Analyse. Maupassants Stil bleibt realistisch präzise, zugleich von impressionistischer Landschaftswahrnehmung und nüchterner psychologischer Schärfe geprägt; im Kontext des französischen Naturalismus untersucht er Begehren, Besitz und Selbsttäuschung. Maupassant, 1850 in der Normandie geboren und von Flaubert literarisch geschult, kannte sowohl die Provinz als auch die Pariser Finanz- und Pressewelt aus unmittelbarer Erfahrung. Seine journalistische Tätigkeit, seine Beobachtung der Dritten Republik und sein Misstrauen gegenüber bürgerlicher Moral nähren diesen Roman. Auch seine Beschäftigung mit Krankheit, Körperlichkeit und ärztlicher Autorität spiegelt sich in der Kurortwelt von "Mont Oriol" eindringlich wider. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die einen Gesellschaftsroman von seltener analytischer Eleganz suchen. "Mont Oriol" ist nicht nur eine Studie über Liebe und Eifersucht, sondern auch ein hellsichtiger Roman über die Kommerzialisierung von Natur, Gesundheit und Gefühl.
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