Parodontitis wird heute als polymikrobielle dysbiotische Erkrankung verstanden, die aus komplexen Wechselwirkungen zwischen dem subgingivalen Mikrobiom und der Immunantwort des Wirts resultiert. Frühere Konzepte konzentrierten sich auf eine begrenzte Anzahl von Erregern, doch die Arbeiten von Sigmund Socransky belegten die Bedeutung mikrobieller Komplexe, insbesondere des "Red Complex" - bestehend aus Porphyromonas gingivalis, Tannerella forsythia und Treponema denticola - für den Krankheitsverlauf.Fortschritte in der Molekulartechnik, insbesondere die Next-Generation-Sequenzierung, haben unser Verständnis des parodontalen Mikrobioms erweitert und zur Identifizierung neuerer parodontaler Erreger geführt. Dazu gehören Organismen wie Filifactor alocis, Enterococcus faecalis, Staphylococcus aureus und Escherichia coli, die als Pathobionten wirken und unter günstigen Umweltbedingungen zur Entstehung der Erkrankung beitragen können. Die neueren parodontalen Erreger haben das Verständnis von Parodontitis von einem spezifischen Infektionsmodell hin zu einem komplexen, von der Mikrobiota bestimmten Prozess erweitert. Dieses sich weiterentwickelnde Wissen unterstützt die Entwicklung gezielter, personalisierter und mikrobiombasierter Therapieansätze in der modernen Parodontologie.
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