Onkel Bernac, 1897 unter dem Untertitel A Memory of the Empire erschienen, führt in die nervöse Welt des napoleonischen Frankreichs. Der junge Emigrant Louis de Laval kehrt aus England zurück und gerät zwischen Familiengeheimnis, Loyalitätskonflikt und die unheimliche Nähe des Kaisers. Doyle verbindet den historischen Roman mit Abenteuererzählung und psychologischer Spannung: knappe Dialoge, dramatische Szenenführung und sorgfältig gesetzte Milieudetails stellen ihn in die Tradition Walter Scotts und Alexandre Dumas', ohne den nüchternen Blick des späten Viktorianismus zu verlieren. Arthur Conan Doyle ist zwar vor allem als Schöpfer Sherlock Holmes' bekannt, verstand sich jedoch ebenso als Autor historischer Prosa. Seine Ausbildung als Arzt schärfte seinen Sinn für Beobachtung und Kausalität; seine Begeisterung für Militärgeschichte, Ritterlichkeit und nationale Umbrüche prägte Werke wie The White Company und die Brigadier-Gerard-Erzählungen. Onkel Bernac entspringt dieser dauerhaften Auseinandersetzung mit Heldentum, Macht und moralischer Prüfung. Empfohlen sei dieser Roman Lesern, die historische Spannung nicht bloß als Kostüm, sondern als Analyse politischer Faszination suchen. Doyles Darstellung Napoleons ist zugleich bewundernd und skeptisch; gerade darin liegt die anhaltende Modernität des Buches.
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