Ferdinand Gregorovius' "Papst Alexander VI. und seine Zeit" ist eine quellennahe Studie über Rodrigo Borgia, seine Wahl zum Papst und die politischen, dynastischen und kirchlichen Verflechtungen seines Pontifikats (1492–1503). Im Mittelpunkt stehen die Machtpolitik des Kirchenstaates, die italienischen Kriege, das Verhältnis zu den europäischen Monarchien sowie die umstrittene Rolle von Cesare und Lucrezia Borgia. Gregorovius verbindet erzählende Anschaulichkeit mit historischer Analyse und ordnet die moralischen Skandalerzählungen der Borgia in den größeren Zusammenhang der italienischen Renaissance ein. Damit steht das Werk zugleich in kritischer Auseinandersetzung mit der älteren, stark polemischen Papstgeschichtsschreibung. Der 1821 in Neidenburg geborene Historiker widmete sein wissenschaftliches Leben insbesondere Rom und seiner politischen Kultur. Seit seinem längeren Aufenthalt in Italien erschloss er die Stadt und ihre Geschichte aus unmittelbarer Anschauung; sein Hauptwerk, die "Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter", begründete seinen Rang als bedeutender deutscher Mediävist und Renaissancehistoriker. Als protestantischer Gelehrter begegnete er der Papstgeschichte mit kritischer Distanz, ohne sie auf konfessionelle Verurteilung zu reduzieren. Seine Darstellung Alexanders VI. entspringt daher dem Bestreben, Persönlichkeit und Epoche in ihrem historischen Zusammenhang zu erklären. Dieses Buch empfiehlt sich allen Lesern, die den Borgia-Papst jenseits populärer Legenden verstehen möchten. Es bietet eine anspruchsvolle, literarisch wirkungsvolle Einführung in die Macht- und Mentalitätsgeschichte der Renaissance und regt zugleich zur kritischen Prüfung historischer Überlieferung an.
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