Parsifal, Wagners letztes Bühnenwerk, entfaltet die Gralslegende als philosophisches Musikdrama zwischen Schuld, Erkenntnis und Erlösung. Aus Motiven Wolframs von Eschenbach formt der Komponist ein Bühnenweihfestspiel von außergewöhnlicher sprachlicher Strenge: feierliche Alliteration, symbolisch verdichtete Bilder und ein weitgespanntes Netz musikalischer Leitmotive verbinden mittelalterliche Stofftradition mit spätromantischer Klangmetaphysik. Im Kontext des 19. Jahrhunderts erscheint das Werk als radikale Synthese von Mythos, Religion, Theater und Musik. Richard Wagner, 1813 in Leipzig geboren und 1883 in Venedig gestorben, war Komponist, Dichter, Theatertheoretiker und unermüdlicher Erneuerer der Oper. Seine Erfahrungen politischer Umbrüche, Exils, ästhetischer Programmatik und lebenslanger Beschäftigung mit Erlösungsfiguren prägen Parsifal sichtbar. Auch Schopenhauers Mitleidsphilosophie, christliche Symbolik und Wagners Idee eines Gesamtkunstwerks führten zu dieser späten, bewusst für Bayreuth konzipierten Schöpfung. Dieses Buch empfiehlt sich allen, die Wagner nicht nur hören, sondern verstehen möchten. Es erschließt Handlung, Gedankenwelt und dichterische Konstruktion eines Schlüsselwerks der Operngeschichte und bietet zugleich einen Zugang zu Fragen, die bis heute provozieren: Wie wird Mitleid zur Erkenntnis, Kunst zur Liturgie und Bühne zum Ort geistiger Prüfung?
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