In "Physik der Liebe" untersucht Remy de Gourmont den Liebesakt nicht als sentimentales Mysterium, sondern als Naturphänomen: Fortpflanzung, Geschlechterdifferenz, Begehren und Instinkt werden in vergleichender Perspektive von Insekten, Tieren und Menschen betrachtet. Der Stil verbindet essayistische Eleganz mit naturwissenschaftlicher Neugier; aphoristische Zuspitzungen stehen neben biologischen Beobachtungen. Im Kontext des französischen Fin de Siècle erscheint das Werk als kühner Versuch, Erotik, Evolutionstheorie und Kulturkritik aus dem Bann moralischer Konventionen zu lösen. Gourmont, 1858 geboren und eine zentrale Gestalt des Symbolismus, war Kritiker, Romancier und unorthodoxer Denker. Seine Tätigkeit im Umfeld des "Mercure de France", seine Skepsis gegenüber Dogmen und sein Interesse an Sprache, Mythos und Wissenschaft prägten dieses Buch entscheidend. Durch Krankheit gesellschaftlich teilweise isoliert, entwickelte er eine distanzierte, analytische Beobachtungsgabe, die ihm erlaubte, Liebe zugleich poetisch und entzaubernd zu beschreiben. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die eine historische, intellektuell reizvolle und stilistisch brillante Annäherung an Sexualität suchen. Es ist kein modernes biologisches Lehrbuch, sondern ein Dokument gelehrter Provokation, das noch heute zum Nachdenken über Natur, Kultur und die Rhetorik der Liebe anregt.
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